Moleküle und Modelle | Rainer Metzger | |||||||
Anmerkungen zu Martin Waldes Waterpoint | |||||||
Begriffe: | Immer wenn der Kunstbetrieb Probleme hat mit seiner gesellschaftlichen
Akzeptanz, fällt ihm das Wort Interaktivität ein. Die neuen
Medien und die alten Motive, in die er sich kleidet, werden dann auf
Sozialität getrimmt, auf Gemeinschaftlichkeit und die Rolle der Kontrolle, |
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Waterpoint | |||||||
Blue Dolphin | |||||||
Frogs | |||||||
Concoctions | |||||||
Tatsächlich aber sind all die Kundenfangereien überhaupt nicht nötig. Tatsächlich bedient sich der Kunstbetrieb schon seit langem eines Wundermittels an Mitmachqualität, dessen magischer Wirkung sich niemand entziehen kann, und er bedient sich seiner auf die alltäglichste und offenkundigste Weise. Niemand nämlich, der angesichts der Blasenfolie, in die die vielerlei Leinwände, Alubonds und Installationen hineingepackt sind, wenn sie ihrer Globalität willfahren, nicht auf den Gedanken käme, herzhaft zuzugreifen und einige der elastischen Luftkammern solange zu traktieren, bis sie mit gewissem Getöse platzen. Man hat mit der Blasenfolie seine ganz spezielle Art von Knallgasreaktion angerichtet, der Katalysator ist der Druck der eigenen Finger, und die Schöpfung gibt auf das Einfältigste eines ihrer Mysterien preis, wenn ins All entweicht, was vordem gebändigt war. Die Gegenwartskunst präsentiert sich seit geraumer Zeit sehr kindertauglich. Das beginnt schon bei ihrer Verpackung. | |||||||
Martin Waldes Waterpoint hat sich ein zweites dieser Wundermittel
vorgenommen und führt nun in aller Absichtlichkeit v or, was sowieso
passiert. Auch Styropor ist so ein Zeug, an dem man gleich herumdrückt
und herumpopelt, Kügelchen fliegen lässt und die Umgebung, die im
Galerieraum gottseidank nicht die eigene ist, mit weisser Nichtigkeit überzieht. Wenn die Folie Blasen portioniert, so das Styropor Schäume. Global unterwegs sind sie beide. Ob Peter Sloterdijk das gemeint hat, als er seine Sphärentrias erfand, die da heisst: Blasen-Globen-Schäume? |
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Waterpoint ist ganz buchstäblich eine Wandarbeit, denn das Styropor lässt sich derart handlich aufbereiten, dass es sich zu Blöcken fügt, die gestapelt werden und so einen Riegel aufstellen, an dem man sich nun abarbeiten kann. Bei Walde besteht die Arbeit darin, den Fingerübungen ihren Lauf zu lassen und der luftigen Mischung massenweise kleine runde Elementargestalten zu entziehen, die nun am Boden rollen, wo sie dann einfach da sind, Spuren ihrer selbst und der womöglich ganz in Trance geschehenen | |||||||
AutorInnen: | |||||||
Rainer Metzger | Tätigkeit ihres Loslösens. | (Fortsetzung nächste Seite) |